Premium Cola

Name: Premium-Cola /strong>| Gründungsjahr: 2001 | Gründer:  Uwe Lübbermann  | Fimensitz: Hamburg | Branche:  Getränkeindustrie  | Website: premium-cola.de 

 

    Wo ist das Koffein in der Cola?
     
    Man schreibt das Jahr 1999, Uwe Lübbermann liegt in der Badewanne und trinkt seine Lieblings-Afri-Cola, die ganz anders schmeckt als sonst! Zusammen mit einigen anderen Afri-Cola-Fans findet er heraus, dass die Rezeptur heimlich geändert wurde. Sie fühlen sich hintergangen und gründen die Interessengruppe „Premium“, die nach zwei Jahren Netzwerk-Arbeit etwa 780 Mitglieder zählt. Das Unternehmen Afri-Cola interessiert das Ganze nur wenig. Zufällig macht Premium Bekanntschaft mit einem alten Afri-Cola-Abfüller, der für den Eigenbedarf 1000 Flaschen abfüllt. *Schwupps* ist die erste Premium-Cola entstanden.
     
    Die ersten tausend Flaschen sind schnell getrunken, es kommen die nächsten tausend, dann die doppelte Menge, und schon ist auch der erste Händler interessiert. Das einzige Problem, keiner der Beteiligten weiß, wie man ein Getränk professionell vertreibt. Deshalb werden alle zu Rate gezogen, die Ahnung haben: Händler, Gastronomen, Hersteller, Endkunden. Ganz ohne gezielten Entschluss ist das Premium-„Kollektiv“ entstanden, welches sich jeden Sonntag im Goldenen Pudel Klub in Hamburg trifft.

    „Dahinter steckt eine grundsätzlich andere Herangehensweise an Wirtschaft, da ist es ja eigentlich schon so, dass der, der das Kapital hat bestimmt wo es lang geht.
    Bei uns ist es so dass wir gemeinsam Entscheidungen treffen und auch gemeinsam von den Folgen betroffen sind. Derjenige der Geld hat, hat dadurch noch lange nicht mehr Rechte. Und derjenige der Chef ist, darf deswegen noch lange nicht alleine bestimmen.“ (Uwe Lübbermann)

    Die Anzahl der beteiligten Personen und Regionen wächst stetig an, schon 2004 ist das ,,Kollektiv” auf verschiedene Regionen Deutschlands verteilt, sodass die Treffen in die virtuelle Welt verlagert werden. Die Idee entwickelt sich weiter, die Beteiligten sehen Premium als Unternehmen, investieren viel Zeit und Geld, die Verteilung in Deutschand wächst, 2008 kommt Premium-Bier dazu und seit Kurzem wird die Premium-Familie um Premium-Kaffee, Frohlunder und Muntermate erweitert.
    Auch wenn die Arbeit, die in Premium gesteckt wird, nicht mehr so locker-flockig ist – die theoretische und gelebte Unternehmensphilosophie sind es geblieben. Weitere, ausführlichere Hintergründe zur Entstehungsgeschichte gibt es hier.

    BWL in menschlich

    „Weg vom harten BWL-Denken zu Etwas, das stressfreier, menschlicher und besser funktioniert.“ (Uwe Lübbermann)

    Mit dem Wachstum ist die Unternehmensphilosophie von den Kernthemen „Geschichte, Kraft, Geschmack, Aufrichtigkeit, Konsequenz und Leben“ auf insgesamt 51 unterschiedlich stark gewichtete Unternehmensmodule angewachsen. Diese sind aufgeteilt auf die Bereiche Ökologie, Soziales, Ökonomie, Schutz und Transfer, wobei die einzelnen Module nicht scharf voneinander trennbar sind sondern oft zusammenhängen oder sich gegenseitig beeinflussen.
     
    Es gibt Basismodule, von denen einige zwingend notwendig und andere „extra“ sind, und Arbeitsmodule, die das i-Tüpfelchen bilden. Bei 51 Modulen wird deutlich, dass das Betriebssystem von Premium bis ins letzte Eck durchdacht ist – was daran liegen könnte, dass das Kollektiv aus so vielen unterschiedlichen Personen mit unterschiedlichen Hintergründen und Interessen besteht. Um die Grundzüge des Unternehmens zu zeigen, hier die jeweils an erster Stelle stehenden Module:
     

    Ökologie: „Verzicht“ – auf Lieferungen ins nicht-deutschsprachige Ausland, Werbung, Büro, Firmenwägen, oder auf die sonst üblichen, weiteren zwei Etiketten, wodurch bis zu 333kg Papier im Jahr gespart werden.
     
    Soziales: „Mindeststandards“ – oder auch „arschlochfreie Kette” genannt, bedeutet, dass alle in der Lieferkette gleichwertig behandelt werden, was einen Minimal- und Maximallohn einschließt. Premium schaut sich seine Kooperationspartner (Gastronomen, Lieferanten, etc.) ganz genau an und entscheidet mit gesundem Menschenverstand.

    Kommunikation auf Augenhöhe zu schaffen, anstatt von oben nach unten – so wie es nahezu überall in der Industrie praktiziert wird – das war meine Grundidee.“ – Uwe Lübbermann

    Ökonomie: „Kein Gewinn“ – bei „normalen“ Unternehmen bleibt nach Abzug aller Kosten wie Produktion und Löhne der Gewinn übrig. Bei Premium wird anders herum gerechnet: Alle Kosten werden auf die einzelne Flasche heruntergebrochen und es gibt keine Gewinnspanne, sondern nur die Deckung aller Kosten. Durch die Cent-genaue Zuteilung ist Ausbeutung Anderer ausgeschlossen, da niemand Profit schlagen kann.
     
    Schutz: „Zugangsschutz“ – um Teil des Kollektivs zu werden, muss man 1. schon einmal eine Premium-Cola getrunken und 2. mindestens einen Kollektivisten persönlich getroffen haben. Seit Kurzem muss man außerdem, um mitlesen und mitreden zu können, seinen Namen angeben. Das soll im Verteiler ein besseres Vertrauen schaffen und vor Spionage schützen.
     
    Transfer: „Open Franchise“ – die genauen Beschreibungen der Module hier zu veröffentlichen ist nur möglich, weil es dieses Modul gibt. Warum Premium seine Geheimnisse nicht vor Nachahmung schützt? Weil genau diese erstrebenswert für alle Beteiligtensindt. Dazu gehört zum Beispiel auch das Modul Kooperationen / Gründungshilfen, denn Premium hat (kostenlos) insgesamt 13 Gründungen anderer Getränkehersteller begleitet. Warum? Wenn man ihnen hilft, gibt es mehr davon und man kann beispielsweise die Logistik teilen. Wenn man ihnen nicht hilft, ist die Chance höher, sie als Gegner zu haben.
     
     
    Und eine kleine Auswahl weiterer Lieblingsmodule:
     
    Soziales: „Konsensdemokratie“ – es wird nicht nach einer reinen Mehrheit beschlossen, weil dann größere Interessengruppen kleinere Gruppen einfach überstimmen könnten. In der Konsensdemokratie wird alles so lange diskutiert, bis es keine Einwände mehr gibt, oder ein Kompromiss gefunden wird mit dem alle leben können.
     
    Soziales: „Handschlag“ – in den knapp 13 Jahren, in denen Premium jetzt existiert, wurde kein Vertrag schwarz auf weiß unterschrieben. Ein Handschlag oder manchmal sogar eine Email reichen aus, denn Vertrage können leicht in Zwang ausarten. Und das funktioniert bis heute mit circa 1650 gewerblichen Partnern.

    „Man kann das unsicher finden, ich jedoch finde, das ist genau das Gegenteil: Wir haben eine Vertrauensbasis mit Menschen geschaffen, die, wenn wir uns nicht blöd anstellen, morgen auch noch da sind.“ (Uwe Lübbermann)

    Ökonomie: „Anti-Mengenrabatt“ – warum sollten große Abnehmer Rabatte erhalten? Sie können sowieso durch größere Produktion, bessere Logistik etc. sparen. Kleine Abnehmer haben eher Startprobleme. Durch den Anti-Mengenrabatt, also Rabatt für kleinere Abnahmemengen, kann diese Ungleichheit ein wenig ausgeglichen werden.
     

    Das Konzept von Premium-Cola hört sich wie eine Zukunftsvision an? Es kann nur in einem kleinen, geschlossenen System funktionieren? Das denken zu Beginn Viele, doch mittlerweile hat Premium 1.650 gewerbliche Partner, die nicht nur für Premium, sondern auch für große Player wie Coca Cola, Pepsi und die anderen arbeiten. Das Konzept von Premium ist also durchaus alltagsfähig, wenn von den richtigen Menschen geleitet.

    Die Lösung
     

    „Geldgetrieben, wachstumsgetrieben und völlig aus dem Ruder gelaufen. Alles soll wachsen, aber die Welt wird nicht größer. Deswegen wird es irgendwann einen Knall geben.“ (Uwe Lübbermann)

     
    Werden wir eine Lösung finden, bevor der Knall kommt? Muss jedes Unternehmen so handeln wie Premium, oder reicht es, die Augen aufzumachen? Uwes Lösungsansatz sieht folgendermaßen aus:
     

    „Die Wirtschaft darf es nicht mehr als Aufgabe sehen, Gewinne zu maximieren und Statussymbole zu vergeben, sondern ihre Aufgabe muss sein, sich um das Gemeinwohl zu kümmern.“ (Uwe Lübbermann)

     
    Diese Vision ist keineswegs beschränkt auf die Wirtschaft. Sie beinhaltet auch jeden einzelnen, der nicht mit dem Auto oder dem Flugzeug, sondern mit dem Fahrrad oder der Bahn fährt. In dieser Welt ist es peinlich, den teuersten Anzug zu tragen und das neueste Handy auf dem Tisch liegen zu haben. In dieser Welt gibt es neue Statussymbole, wie das Fairphone (VERLINKUNG). Diese Welt zu schaffen ist das große Ziel von Premium.
     
     
    Und jetzt Du
     
    …doch Premium kann das nicht alleine.

    „Von wegen wir mächtigen Konsumenten, wir sind gar nix. Wir könnten es sein, aber wir machen’s nich.“ (Uwe Lübbermann)

    Wir, die Konsumenten, sind ganz grundsätzlich diejenigen, die das Handeln der Wirtschaft bestimmen. Dessen müssen wir uns bewusst sein und mit gezielten Käufen, Unternehmen dazu bringen, dass konventionelles Wirtschaften keine Akzeptanz mehr erfährt. Bei deiner nächsten Cola oder Limo, Kaffee oder Bier kannst du ja mal nachfragen, ob es auch Premium gibt ;) (die haben nämlich nicht nur ein tolles Konzept, sondern es schmeckt auch noch!)

     
     
    Uwes ganz persönliche Vision
     
    1. Eine eigene, kleine Bleibe mit Heizung, Strom und so
    2. Zu lernen, wie man aus Boden was zu Essen macht
    3. Dass in 30 Jahren das Projekt so weit fortgeschritten ist, dass ich einen Bruchteil von einem Cent pro Flasche als Gnadenbrot bekomme


    ShareShare TweetTweet

    Comments