Über den Tellerrand kochen

Name:  Über den Tellerrand kochen | Gründungsjahr: 2013 | Gründer:  Ninon Demuth, Bontu Guschke, Gerrit Kürschner und Carolin Strehmel  | Fimensitz:  Berlin  | Branche:  Soziales, Kochen  | Website:  ueberdentellerrandkochen.de  

 

    Nur ein Wettbewerb?
     
    8 Wochen, 5 Euro Startkapital, 4 Studenten und 1 Menge Motivation. Das waren die Voraussetzungen des Projekts, das im Rahmen des Funpreneur Wettbewerbs stattfand.
    Herauskommen sollte ein Kochbuch, welches über das Kocherlebnis Geschichten von Menschen vermittelt. Genannt wurde es „Über den Tellerrand schauen“, also einen Schritt weiter gehen. Eine Freundin hatte dann die Idee zu „Über den Tellerrand kochen“, es passte perfekt.

    Aber es war nicht immer so idyllisch. Planen, anfragen, kochen, fotografieren, sich um die Presse kümmern, gestalten, drucken, versenden, … das alles war während des Wettbewerbs nur mit durchwachten Nächten möglich.
    Innerhalb von nur fünf Wochen musste der Inhalt des Kochbuchs fertig sein, eigentlich hat niemand wirklich daran geglaubt, dass sie ihr Ziel von 20 Rezepten erreichen würden.
     
    Sie haben keine „Vorauswahl“ getroffen, sondern sich direkt an Heimleitungen gewendet und dort, wo sie positives Feedback erhalten haben, sind sie hin. In den Heimen selbst haben sie rumgefragt und mit den Leuten, die Lust hatten, gekocht – dass dabei 14 verschiedene Nationen und viele leckere Rezepte rauskamen, war Zufall.

    Nähe durch das Kocherlebnis

    Das negative Bild von Asylbewerbern in den Köpfen vieler Menschen soll aufgebrochen werden. Kochen verbindet, schafft Nähe, Sympathie, vereinfacht das Kennenlernen, zeigt Gemeinsamkeiten auf. Es soll zeigen, dass Asylsuchende super interessante, vielseitige Menschen sind und ihnen den Anschluss in Deutschland ermöglichen.

    „Viele Leute sehen die Spende an Pro Asyl als am Besten bei dem Projekt, aber wir sehen das nicht so, also wir denken schon, dass unser Buch den Kontakt verstärken kann.“ (Carolin Strehmel)

    Es ist nicht einfach Kontakte zu knüpfen, ohne die Sprache zu beherrschen. Viele bleiben einfachheitshalber in ihrem eigenen Kulturkreis. Doch die meisten fühlen sich ausgegrenzt, sie dürfen ja auch nicht arbeiten gehen! Sie verlassen ihr Land nicht, um hierher zu kommen und auf dem Sofa zu sitzen! Patrick zum Beispiel spielt jeden Tag Fußball, um dort Leute zu treffen. Durch direkten Kontakt funktioniert es am Einfachsten.
     
    Die Leute, die am Wenigsten mit Asylbewerbern zu tun haben, ärgern sich immer am Lautesten. Doch es gibt fast nur positives Feedback als Reaktion auf das Kochbuch. Viele Leser freuen sich über eine neue Perspektive, die sich nicht auf die politische Debatte beschränkt, sondern reale Menschen und deren Geschichten zeigt. Diese positive Aufnahme hängt sicherlich damit zusammen, dass der Beginn des Projekts im Oktober damit zusammenfiel, dass die Presse voll von und die Gesellschaft sensibilisiert für diese Themen war.
     
    Der Knaller kam an Heiligabend, der einzigen Ruhepause während der Projektphase, als Reaktion auf einen Artikel bei Spiegel Online: Leute aus der ganzen Welt, Kanada, Australien, Norwegen, Spanien, die Zustimmung aussprachen, 1000 Bestellungen.
     
    Auch wenn die Kommentare zu dem Artikel auf Spiegel Online nicht alle positiv, sondern viele diskriminierend und völlig ab vom Thema waren – das hohe Interesse von Presse und Privatpersonen an dem Projekt, die vielen Hilfsangebote, all das zeigt, wie wichtig Engagement in unserer Zeit ist und bestärkt die vier, weiterzumachen.

    Zweite Auflage
     
    Nach der ersten Auflage von 400 Exemplaren und der zweiten Auflage von 3000, die bereits zur Hälfte verkauft ist, ist das Projekt noch lange nicht beendet! Auch wenn Ninon, Bontu, Gerrit und Carolin sich jetzt wieder mehr auf ihr Studium konzentrieren wollen, planen sie bereits weitere Schritte. Vor kurzem erst haben sie einen eigenen, kleinen Büroraum bezogen, um Privates und Arbeit ein bisschen besser trennen zu können. Man kann seinen Kopf sowieso nicht freimachen, aber die 1500 versandfertigen Bücher nehmen doch zu viel Platz in der WG ein und in Zeiten von Whats App und 24/7- Erreichbarkeit werden feste Arbeitstage und Bürozeiten auf jeden Fall eine Erleichterung darstellen.
     
    Aber auch inhaltlich geht es weiter. Wenn alles gut läuft, wird ein zweiter Band mit neuen Rezepten entstehen, dessen Einnahmen an kleinere Organisationen (die z.B. Sprachkurse in Heimen anbieten) gespendet oder selbst für Workshops verwendet werden können. Der nächste große Meilenstein, um das Kennenlernen noch persönlicher zu gestalten, ist Kochkurse mit Deutschen und Asylbewerbern anzubieten.

     
     
    Appetit?
     
    An vielen Tagen gibt es offene Kaffeerunden, zu denen Besucher ins Asylheim kommen und sich mit Bewohnern austauschen können. Informier dich doch einfach mal wo ein Asylheim in deiner Nähe ist, und statte den Menschen dort einen Besuch ab. Die meisten Bewohner sprechen Englisch und du wirst merken, wie viel ihr gemeinsam habt!

    Wenn Du lieber mit einem kleinen, ersten Schritt anfangen willst, dann denk doch darüber nach, dir das Kochbuch zu kaufen, oder vielleicht hast du ja noch eine besser Idee, wie du das Projekt unterstützen kannst? Dann schreibe einfach eine E-mail an team[at]ueberdentellerrandkochen.de


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