Wirtschaft

Heiliges Wachstum

Die Wirtschaft muss wachsen! Und für Deutschland sieht es gut aus, vor wenigen Tagen erst wurde ein erwartetes Wachstum von 1,9% für das nächste Jahr veröffentlicht. Wenn die Wirtschaft wächst, wächst der Wohlstand. Es wachsen die Einnahmen der Industrie. Damit wiederum wachsen Steuereinahmen und Löhne. Durch höhere Löhne steigt der Konsum und wiederum die Steuereinnahmen. Eine Win-Win-Situation für alle, oder?

So einfach ist es leider nicht. Bekannter Weise wachsen einige auf Lasten von anderen, was Klimakrise, Finanzkrise, Wirtschaftskrise und viele andere Ungleichgewichte verursacht. Dies sieht man auch deutlich an den Beispielen Energie (LINK) und Textilien (LINK). Doch wie können wir eine gerechtere Verteilung schaffen? Dazu gibt es zahlreiche unterschiedliche Ansätze.

Einer ist als „Green New Deal“ bekannt, was im Großen und Ganzen eine Weiterführung der bisherigen Wirtschaftsordnung unter nachhaltigen Bedingungen bedeutet. Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind in diesem Zusammenhang maßgebend. Wir möchten diesen Ansatz nicht per se abtun, da eine energieeffiziente Ressourcennutzung grundsätzlich sinnvoll ist. Jedoch ist der Green New Deal eher ein Impulsgeber als ein Gamechanger. Wir möchte im Kontext des Projekts „Grüne Helden“ daher eher den Weg zu einer Postwachstumsökonomie nach Niko Paech näher beleuchten.

In „Eine Ökonomie jenseits des Wachstums“ nennt Paech einige Veränderungen, die notwendig sind, um eine strukturelle Neuordnung des Konsums, folglich ein gesundes und langfristig stabiles Wirtschaftssystem zu schaffen.

 

Eine davon ist „Entrümpelung und Entschleunigung“, basierend auf einer Suffizienzstrategie. Das bedeutet Veränderung des Konsums in Angebot und Nachfrage: Beide Seiten beschränken sich auf Notwendiges, was nicht Verzicht, sondern Befreiung von Überflüssigem bedeutet. „Balance zwischen Selbst- und Fremdversorgung“ sowie „Regionalökonomie“ bedeuten einerseits, dass die örtliche und kognitive Distanz zwischen Produktion und Verbrauch sinken soll, wozu Nachbarschaftshilfe, Verschenkmärkte, Gemeinschaftsnutzungen und viele weitere Dinge beitragen könnten. Andererseits wird ein kürzerer bzw. regional fokussierter Geldfluss gemeint, womit Regionen weniger abhängig von globalen Transaktionen würden. Interessant sind „stoffliche Nullsummenspiele“, also Konsumansprüche, die durch die zuvor genannten Schritte nicht abgedeckt werden können. Als Lösung nennt Paech Nutzungsdauerverlängerung oder –intensivierung. Nur wo diese nicht möglich sind, würde die Effizienzstrategie des Green New Deals zum Tragen kommen. Als letzten Punkt fehlen noch „institutionelle Innovationen“ wie beispielsweise individuelle CO2-Bilanzen und die Aufhebung von Zinslasten.

„Auch in einer Postwachstumsökonomie werden Märkte, Unternehmen, Geld, Konsumgüter und technische Innovationen benötigt – aber fern einer Kultur der Maßlosigkeit. Denn schließlich macht die Dosis das Gift. Auch das ist Ökonomie.“ (Niko Paech)

Dass dieser Ansatz keine Zukunftsmusik ist, siehst du an all den portraitierten Grünen Helden. Premium  verfolgt bereits seit zwölf Jahren eine Wirtschaft, die das Gemeinwohl in den Vordergrund stellt – und ist erfolgreich damit. Auch Fairphone setzt soziale Werte an erste Stelle und versucht so gut es geht, keinen Gewinn auf Kosten anderer zu machen und Fairnopoly ist mit seinem Genossenschafts- und Transparenzansatz sowieso ganz vorne dabei. Auch in allen anderen portraitierten Unternehmen sind die Grundansätze zu finden. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe zu zeigen, dass wir einen Weg in diese Richtung beschreiten wollen. Wir wollen uns befreien von der Hyperrealität, die über unserem Konsum steht – Freiheit für uns selbst und alle anderen.

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